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Einführung in "Affektmobilisierung im Kriegsfilm"
Wie für kaum ein anderes Genre des klassischen Hollywoodkinos, ist für den Kriegsfilm
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die Absicht der Mobilisierung spezifischer affektiver Einstellungen der Zuschauer evident. Er verkörpert damit eine Eigenschaft, die man gerne dem Hollywoodkino im Allgemeinen zuschreibt, nämlich eine extrem effektiv organisierte Maschine zu sein, die am laufenden Band Gefühlsmanipulation betreibt. Was darin an implizitem Wissen über menschliche Gefühle und Sinnlichkeit steckt, wollen wir im Rahmen des Exzellenzclusters Languages of Emotion ans Tageslicht bringen. Daher untersuchen wir hier einerseits das affektpoetische Prinzip des Kriegsfilmgenres als einen Prozess, in dem bestimmte Gefühlswelten geformt und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Zum anderen fragen wir nach der Funktion dieser Prozesse, von denen wir annehmen, dass sie auf „Gemeinschaftsgefühle“ zielen, dass heißt auf die Einbindung der individuellen Zuschauer in die Werte und Ideen der Gesellschaft, auf die affektive Basis von Identität und Zugehörigkeit, von Opferbereitschaft und Gedenken. |
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> Projekt "Affektmobilisierung und mediale Kriegsinszenierung" > Methodenentwicklung eMAEX-System ![]() ![]() ![]() |
Wir versuchen, das, was wir alle immer schon über Genres wissen – wie ein Melodrama aussieht, welche Figuren einen Western ausmachen, was für Situationen ein Actionheld durchmachen muss – zusammenzubringen und am Beispiel des Kriegsfilms darauf zu befragen, was für Gefühle dabei ins Spiel kommen. Lässt sich die Affektpoetik des Kriegsfilmgenres als ein beständiges Muster beschreiben, das zum einen auf vergleichbaren Affektdramaturgien und zum anderen auf wiederkehrenden audiovisuellen Inszenierungs- und Wirkungsstrategien beruht? Welche Gefühle werden angesprochen und in welcher Reihenfolge? Wie sieht die Gestaltung dieser Gefühlsadressierungen aus? Wir gehen dabei davon aus, dass die Gefühlsmodellierung weniger auf Ebene der dargestellten Gefühle stattfindet, sondern durch die Abfolge und Interaktion von Gefühlswerten erfolgt, die im Zuschauer durch narrative Konstellationen und vor allem inszenatorische Gestaltungsweisen aktiviert werden. D.h. wir fragen nicht, welche Gefühle eine Figur hat, sondern wie sich die Welt anfühlt, wenn man sie so sieht? Wie bewegt sich Angst? Wie sieht Kampflust aus und wie hört sich Heimweh an? Als Ergebnis unserer Analysen standen die acht grundlegenden Figurationen des dramaturgischen Aufbaus, die wir als Pathosszenen des Hollywoodkriegsfilms definiert haben. Diese Analysen und ihre Auswertung waren nur dank der parallel erfolgten Entwicklung des eMAEX-Verfahrens durchführbar. Es hilft uns Formen der Emotionalisierung in audiovisuellen Medien in empirisch-deskriptiven Verfahren zu erfassen und zugänglich zu machen. |
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> DFG-Projekt "Inszenierungen des Bildes vom Krieg als Medialität des Gemeinschaftserlebens" ![]() ![]() |
Darauf aufbauend ist es uns möglich, zum einen die Kriegsdarstellung in verschiedenen Medienformaten und Medienkonzepten zu vergleichen, d.h. den Kinofilm mit Nachrichten und Propagandafilmen, mit Fernsehen und Internetvideos in Beziehung zu setzen. Zum anderen können wir so eine historische Perspektive in diese Fragestellungen einziehen: Gibt es gemeinsame Grundstrukturen der Emotionalisierung in Darstellungen vom Zweiten Weltkrieg über Vietnam bis zu den gegenwärtigen Kriegen? Was ist die soziale, historische und politische Dimension der Affektdramaturgien? Sind die gemeinsamen Strukturen der Filme Strategien des Bezugs auf und der Mobilisierung von Gemeinschaftsgefühlen? Dahinter steckt die Überzeugung, dass die Kriegsfilme nicht getrennt von ihrer Einbettung in gefühlsgeladene mediale und soziale Konstellationen zu betrachten sind. Das Genießen der Filme und der Informations- und Überzeugungswert anderer Medienformate sind in einen gemeinsamen Zusammenhang zu stellen, der auf die affektive Grundierung von politischer Gemeinschaft zu beziehen ist. |
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In den beiden hier vertretenen Projekten bündeln sich beinahe 10 Jahre der Beschäftigung mit dem Kriegsfilmgenre, von Seminaren und Vorlesungen bis hin zu einer AG „Kriegsfilm – Medialität und Emotion“. Dort arbeiteten seit 2007 Nachwuchswissenschaftler am Institut für Filmwissenschaft der FU Berlin an den Fragen des Zusammenhangs von Genrekino, Zuschauergefühlen und den immensen Bilderzirkulationen, die für die Kriege des 20.Jahrhunderts so zentral sind. Dazu kamen mehrere Workshops zum Thema, bei denen wir uns u.a. mit Thomas Elsaesser, Elisabeth Bronfen, Michael Wedel, Drehli Robnik und Marcus Stiglegger über mögliche Ansätze und Fragestellungen austauschten. |
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| Vorträge und Veranstaltungen Hermann Kappelhoff: Affektmobilisierung und mediale Kriegsinszenierung. Ringvorlesung "Languages of Emotion": Sprache, Kultur, Gesellschaft, FU Berlin, 18.10.2011 Matthias Grotkopp: Film genre and modality. The incestuous nature of genre exemplified by the war film. Éloge de la bâtardise au cinéma / In praise of cinematic bastardy. Paris (Université Paris Ouest Nanterre La Défense). Hermann Kappelhoff: "Sense of Community": Die Filmische Komposition eines moralischen Gefühls. War – Literature, Media, Emotions. An international and interdisciplinary seminar on emotional strategies and effects of war-representations in literature and media. University of Aarhus. 2010 Hermann Kappelhoff: Macht und Gewalt des Propagandafilms: Frank Capras „Prelude to War" und Leni Riefenstahls "Tag der Freiheit", Vortrag im Rahmen der Siegen Kreuzer Lectures am 27. Oktober 2008. Hermann Kappelhoff: Kalkulierte Raserei. Der Zorn des Rekruten im Kriegsfilm, Vortrag auf der Tagung des Einsteinforums „Passion(s) in Culture(s):Von Achill bis Zidane. Zur Genealogie des Zorns“ vom 11.-13.12.2008. Workshop: Der Hollywood Kriegsfilm. 08. – 09.12.2007 http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we07/service/archiv/workshop_hollywood_kriegsfilm.html Publikationen Kappelhoff, Hermann: Kalkulierte Raserei. Der Zorn des Rekruten im Kriegsfilm. Zill, R. (Ed.). Von Achilles bis Zidane. Zur Genealogie des Zorns. Berlin 2011 (Im Druck) Kappelhoff, Hermann, Bakels, Jan-Hendrik: Das Zuschauergefühl - Möglichkeiten qualitativer Medienanalyse. Zeitschrift für Medienwissenschaft 5 (2). 2011 Kappelhoff, Hermann: Kriegerische Mobilisierung. Die mediale Organisation des Gemeinsinns. Frank Capras Prelude to War und Leni Riefenstahls Tag der Freiheit, in: Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften. Jg. 9, H 1, 2009. Marburg 2009, S.151-165. Pischel, Christian: Grenzverläufe filmischer Topographien: Gewalt gegen die Gemeinschaftlichkeit in Elephant und Pearl Harbor. In: Domsch, S. (Hrsg.). Amerikanisches Erzählen nach 2000. Eine Bestandsaufnahme. S. 319-337. München 2008 Kappelhoff, Hermann: Shell shocked face: Einige Überlegungen zur rituellen Funktion des US-amerikanischen Kriegsfilms. In: N. Suthor, E. Fischer-Lichte (Hrsg.): Verklärte Körper, München 2006, S.69-89 |
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Bildnachweis
Bild 1 - 5: Stills aus SANDS OF IWO JIMA, Allan Dwan, USA 1949
Bild 6: Still aus OBJECTIVE, BURMA!, Raoul Walsh, USA 1945
Bild 7: Still aus BATAAN, Tay Garnett, USA 1943













