Profil

Die hier versammelten Forschungsprojekte verstehen sich als ein Verbund, der an verschiedenen Gegenständen und unter verschiedenen Blickwinkeln an einem gemeinsamen Unternehmen arbeitet: Wir fragen danach, wie audiovisuelle Formen die Zuschauer emotional bewegen, die Welt verstehen und erfahren lassen.
So werden in den einzelnen Projekten u.a. folgende Fragen bearbeitet:

→ Wie mobilisieren Kriegsfilme ihr Publikum?
→ Wie gestalten Dokumentarfilme und Fernsehreportagen aus ihren sprachlichen Argumenten und Inhalten dynamische audiovisuelle Formen?
→ Mit welchen Mitteln versucht der deutsche Heimatfilm ein Gemeinschaftsgefühl zu gestalten?

→ Lässt sich beim Sehen von bestimmten inszenatorischen Stereotypen auch ein ähnliches Muster in der psychologischen Verarbeitung empirisch nachweisen?

Es geht dabei um die Überführung filmwissenschaftlicher Theoriemodelle in konkrete und systematische Methoden und Verfahren der Analyse, also eine „Empirische Medienästhetik“, für die eine wechselseitige Entwicklung von Untersuchungsmethode und Darstellungsform höchste Priorität hat.

Dabei gehen wir davon aus, dass das, was wir Wahrnehmen, Fühlen und Verstehen nennen, sich aus dem Zusammenspiel von Intensitäten über die Zeit und den Raum gestaltet: Atmosphären entfalten sich, Gedanken kommen plötzlich, Gefühle schleichen sich ein... Film und andere audiovisuelle Medien sind in der Lage dies nicht nur in Bildern und Tönen auszudrücken, sondern auch als Erleben für den Zuschauer zu gestalten.

AUSDRUCKSBEWEGUNG

Mit dem Konzept der Ausdrucksbewegung versuchen wir dem auf den Grund zu gehen. Damit ist gemeint, dass der Prozesscharakter von Empfindungen und Verstehensleistungen der Zuschauer durch die audiovisuellen Bewegungsdynamiken gestaltet wird. Die Gestalt der Bewegung der Bilder in der Zeit wird als etwas analysiert und verstanden, das unmittelbar auf das Gefühl der Zuschauer bezogen ist.
 

EMBODIMENT






METAPHER

Dabei fragen die einzelnen Forschungsgruppen unter anderem danach, wie sich die Dimension der Verkörperung als Basis des Erlebens und Verstehens von Filmen zeigt und nachweisen lässt. D.h. wie unsere physisch-leibliche Existenz, unsere körperlichen Erfahrungen und Ausdrucksformen, als die Grundlage jeglicher menschlicher Kommunikation und Denkformen auch die audiovisuellen Medien prägt. Filme gestikulieren, zeigen, vollführen die Hervorbringung von Sprachformen und Denkweisen wie etwa der Metapher in einer Art, die sich mit den Gesten vergleichen lässt, die wir mit unseren eigenen Körpern machen, die wir in den Gesten anderer als Ausdrucksbewegung verstehen.
 

GENREKINO



AFFEKTPOETIK

Das Genrekino ist ein prädestinierter Gegenstand für unsere Analysemethoden, da es wie kaum ein anderes Kinosystem darauf angelegt ist, die Erwartung von je bestimmten Zuschauergefühlen zu wecken, anzusprechen und zu erfüllen.
Diese Gefühlsdramaturgien oder Affektpoetiken beziehen sich per Definition auf diejenigen Gefühlsmuster und Werte, die bestimmte Kulturen zu bestimmten Zeitpunkten als gemeinsame voraussetzen. Ihre genaue Analyse kann also dazu beitragen, Fragen nach der Soziologie und der Geschichte der Gefühle zu beantworten.
 














AUSDRUCKS-
BEWEGUNGSBILDER

Unser Ziel ist, das dynamische Zusammenspiel der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten des Audiovisuellenso zu beschreiben, dass die spezifische dynamische Qualität dieser Gestalt als Ganzheit im Zentrum steht. Somit lässt sich dieses gemeinsame Unternehmen als qualitativ-empirische Medienanalyse bezeichnen. Erst auf einer solchen Basis glauben wir, kann man sinnvoll Fragen des Vergleichs größerer Mengen an Filmen stellen, etwa um ein ganzes Filmgenre in seinem historischen Verlauf zu erfassen, oder die naturwissenschaftliche Überprüfung von Theorien der Affizierung durch audiovisuelle Medien durchführen.

Letztlich ist der Zweck dieser engen Zusammenarbeit verschiedener Projekte, die Analysemethoden so zu verfeinern, dass die qualitative Beschreibung der zeitlichen Entfaltung von Ausdrucksbewegungsbildern auf verschiedene interdisziplinäre Felder angewandt und erweitert werden kann.

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Bildnachweis
Bild 1: Still aus GUNG HO!, Ray Enright, USA 1943
Bild 2: Still aus REPORT MAINZ (ARD, Sendedatum 20.10.2008)
Bild 3: Still aus DER FÖRSTER VOM SILBERWALD, Alfons Stummer, A 1954
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