Projektziele

In der ersten Förderphase haben wir nach dem Verhältnis zwischen Politik und Ästhetik im westeuropäischen Autorenkino gefragt. Die Überlegungen Jacques Rancières zur Politik als Wahrnehmung und sinnlicher Teilhabe bildeten dabei einen zentralen Bezugspunkt. Anhand der französischen Nouvelle Vague, des italienischen Neorealismus’ und des Neuen Deutschen Films haben wir untersucht, auf welche Weise die Filme die besondere gesellschaftliche Situation nach dem Zweiten Weltkrieg erfahrbar machen und reflektieren. Fragen nach dem Verhältnis des Individuums zur Gemeinschaft standen dabei im Mittelpunkt.

Die filmanalytischen und theoretischen Auseinandersetzungen mit den nationalen Kinematographien haben eine Hypothese bestätigt, nämlich dass das US-amerikanische Genrekino einen entscheidenden Einfluss auf die westeuropäischen Filme ausübte. So möchten wir in der aktuellen Förderphase die bisher ausgesparte Kehrseite in den Blick nehmen und das Genrekino der Nachkriegszeit untersuchen. Ausgehend vom filmwissenschaftlichen Begriff verstehen wir das Genrekino als ein spezifisches System der Unterhaltungskultur, das ein Zusammenspiel unterschiedlicher Affektpoetiken organisiert.

Wir möchten nun das Verhältnis von Politik und Ästhetik im westeuropäischen Genrekino untersuchen. Die Fragen nach Gemeinschaft und Individualität stehen dabei weiterhin im Mittelpunkt. In einem Unterprojekt möchten wir im Anschluss an den Begriff des „Gemeinsinn“ (Hannah Arendt) untersuchen, auf welche Weise das Genrekino Urteilsprozesse erfahrbar macht. Die beiden weiteren Unterprojekte eröffnen eine historische Perspektive. Zum einen widmen wir uns dem westdeutschen Genrekino zwischen 1951 und 1962 und zum anderen den so genannten B-Genres im britischen und italienischen Kino der 1950er und 1960er Jahre. Diese Gegenstandsfelder antworten auf ein grundlegendes Desiderat, das durch die Forschungsergebnisse der ersten Förderperiode deutlich wurde.

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