Invading Tarawa*

Kategoriale Zuordnung

  • Formierung eines Gruppenkörpers (corps)
  • Kampf und Natur
  • Kampf und Technologie
  • Leiden / Opfer
  • Gemeinschaftsgefühl als eine medial geteilte Erinnerung an geteiltes Leid

 

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Movie: Sands of Iwo Jima*
Ordnungsnummer: 16
Einzelanalyse: Sands of Iwo Jima*
Timecode von: 00:36:20:24
Timecode bis: 00:48:59:05
Entstehungsjahr: 1949

Die Szene wird bestimmt durch die komplexe Interaktion zwischen einer rhythmisierten Anordnung teils antagonistischer Ausdrucksbewegungen einerseits und einer Reihe von, die verschiedenen Ausdrucksbewegungen überlagernden, semantischen Bezügen andererseits.

Auf der einen Seite steht als Ausgangspunkt die Inszenierung der perzeptiv als stringente Ausdrucksbewegung strukturierten Landung der Marines am Strand von Tarawa (> ABE 1). Nach der erfolgten Landung wird diese Bewegung in zwei changierende, bildlich als Links-Rechts-Opposition gestaltete, Kräfte eingebunden. Zunächst erscheint das japanische Abwehrfeuer Dominanz über den Drang der landenden Marines zu erlangen (> ABE 2), sowohl bildlich – von links nach rechts – als auch semantisch – in Form einer Serie affektiver und narrativer Komplexe des Unter-Druck-Geratens. In der Folge ist es die – bildlich von rechts nach links inszenierte – Sturmbewegung der Marines, die die sich ihnen entgegenstellenden Kräfte, objektiviert in Form eines einzelnen Schützenbunkers, überwindet (> ABE 3). Zum Ende der Szene erfährt diese Dynamik schließlich eine Brechung, indem die Sturmbewegung der Marines in einem in seiner Bild-Ton-Opposition äußerst ambivalenten Affektbild aufgelöst wird (> ABE5).

Auf der anderen Seite wird diese Bewegungsrhythmisierung von semantischen Bezügen durchzogen, die eigene affektive Qualitäten entfalten und in jeweils spezifische Interaktionen mit den Bewegungsfigurationen eintreten: Zunächst das Verhältnis der Truppe zur Natur, die je nach Bewegungsfiguration zu Hindernis und Quelle erschöpfender Zermürbung (> ABE 3), zum Schutz vor den Gegenbewegungen des Feindes (> ABE 2) oder aber – insbesondere in den dokumentarischen Aufnahmen –, als eigentliches Zielobjekt der zum Einsatz gebrachten Waffentechnologie, zum tatsächlichen Feind (> ABE 1) wird. Dann die wechselnd konnotierte Symbiose von Marines und Waffentechnologie; diese wird zunächst, anhand der die Landung flankierenden Bombardements und Kanonenschüsse, in der Ambivalenz von Schutz und Abhängigkeit inszeniert (> ABE 1), um dann in Form von als Schauwerten ausgestellten Flammenwerfern und Sprengladungen zur mächtigen Erweiterung der physischen Kraft der Marines (> ABE 3) und schließlich in Form von Munitionsmangel zum narrativen Agens (> ABE 5) zu werden.

Das zentrale kompositorische Prinzip der Szene machen jedoch zwei Komplexe aus, die hier untrennbar miteinander verwoben werden. Einerseits die körperlichen Leiden der Marines, die sich auf semantischer Ebene zum eigentlichen Gradmesser der soldatischen Arbeit aufschwingen, indem das abstrakte Kollektiv des Corps seine Fortschritte stets nicht trotz, sondern eben mittels des buchstäblichen Zerfalls des Gruppenkörpers erkämpft: mittels des Einsatzes des Lebens derer, die im alternativlosen, gleichermaßen blinden wie massenhaften Ansturm zum Ziel des Gegners werden, damit andere dies zur gleichen Zeit eben nicht sein können (> ABE 2), des Lebens derer, die den Angriff für einen bloßen Raumgewinn vorantragen, auf dass der Letzte in der Reihe den Angriff vollenden möge (> ABE 3), sowie mittels des Einsatzes des Lebens derer, die ihr Leben voller Pathos in dem Bewusstsein opfern, mit ihrem Beispiel eine moralisch-ideelle Einstellung gleichermaßen zu verteidigen und weiterzureichen (> ABE 4). Gerade in Letzterem verdeutlicht sich jedoch, wie hier jenes Vorankommen durch Zerfall andererseits stets sogleich zum Movens einer voranschreitenden symbiotischen Vereinigung der Individuen in Richtung einer, gleichermaßen abstrakten wie buchstäblichen, höheren Körperschaft wird.

Dass das Individuum dabei stets Basis und Ausgangspunkt jener höheren Körperschaft bleibt ist allgemeiner Kern des letzten narrativen Komplexes der Szene, indem die Abhängigkeit zweier Marines vom Einsatz eines dritten beschworen wird. Andererseits rückt die Kontrastierung von Bild und Ton diese individuelle Basis hier in eine spezifische, Schwere antizipierende Ambivalenz.    JHB 

Ausdrucksbewegungseinheiten (ABE)

01 02 03 04 05 

Materialen zur Szene

    Position der Szene im Film

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