Für die Fahne gestorben*

Kategoriale Zuordnung

  • Übergang zwischen zwei Gesellschaftsformen
  • Heimat, Frau, Zuhause
  • Leiden / Opfer
  • Unrecht und Demütigung / moralische Selbstbehauptung

 

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Movie: Sands of Iwo Jima*
Ordnungsnummer: 30
Einzelanalyse: Sands of Iwo Jima*
Timecode von: 01:40:13:13
Timecode bis: 01:44:59:18
Entstehungsjahr: 1949

Die triumphale Leichtigkeit mit der die vorherige Szene endete (> "Der Berg fordert Opfer") weicht sofort einer elegischen Stimmung (> ABE 1), die das folgende Geschehen in eine Erinnerungsperspektive rückt. Diese bezieht sich einerseits auf die Figuren, die als zukünftige Erinnerungsträger inszeniert werden, lässt sich andererseits auch auf die historische Position des Films und seiner Zuschauer übertragen. Im Zentrum dieser Erinnerung steht die Vaterfigur Stryker, die als Kristallisationspunkt der Vereinigung vieler Individuen zu einem Gruppenkörper inszeniert ist (> ABE 1, > ABE 2). Strykers plötzlicher Tod verschiebt diese Erinnerung von einem Gefühl gemeinschaftlichen errungenen Triumphs zu einer trauernden und zweifelnden Verarbeitung der Verluste und der ungewissen Kontinuität oder Diskontinuität des Militärkörpers nach der vollbrachten Aufgabe (> ABE 2, > ABE 4, > ABE 5). Vom Tod des väterlichen Kriegers (> ABE 2), der Beschwörung einer umfassenden Verwebung von Vater-Sohn-Bindungen (> ABE 3), die durch gestalterische Isomorphie an die abstrakte Bindung Individuum-Nation angeschlossen wird (> ABE 4), ergibt sich eine Zwangsläufigkeit, mit der Conway die freigewordene Position im Gruppengefüge einnimmt und die Traditionslinie fortschreibt, fortträgt (> ABE 5).

Der Brief der Väter an die Söhne - die Darstellungsweise beharrt auf der Offenheit und Allgemeingültigkeit der vorgelesenen Worte - stellt den Zwiespalt her, zwischen der Erfahrung, die in der gemeinsamen militärischen Anstrengung gemacht wurde, und der Individualität der Gesichter, die selbst als Erinnernde erscheinen. Der Brief artikuliert gleichzeitig eine stellvertretende Botschaft, letzte Worte an jene, die im Krieg jemanden verloren haben, und wird somit zu einer Form des Gedenkens (> ABE 3).

Dieser Zwiespalt zwischen kollektiver Anstrengung und individueller Teilhabe, als offene Frage explizit gemacht in der Ähnlichkeit der rhythmisierten Verknüpfung von Großaufnahmen, setzt sich danach fort in der Ambivalenz der Schuss-Gegenschuss-Verknüpfung von nationaler Symbolik und einzelnen Soldaten. Das Ikon der Flaggenhissung auf Iwo Jima wird (in der Flüchtigkeit eines Ereignisses im Kontrast zur stillgestellten Pose, als die es zu DEM BILD des Pazifikkrieges wurde) in einem Dreischritt evoziert: erst als düsteres Monument, dann als Kraft des Zusammenschlusses und schließlich als betont unbewältigte Frage an das Totengedenken und das Weiterleben jedes Einzelnen (> ABE 4, > ABE 5). Letztlich wird sowohl der individuellen Beherrschung des Krieges als auch dem Kriegszustand als solchem jeglicher Abschluss versagt (> ABE 1, > ABE 5).

Weder der Tod des Vollblutkriegers Stryker, noch die Übernahme des Kommandos durch den ständigen Vertreter ziviler Werte, Conway, garantieren eine Versöhnung der gegensätzlichen Ansprüche: Die Marine-Hymne, deren Thema den Film in ständigem Wechsel von Variationen als Leitmotiv durchzieht, kommt zwar wieder zu sich selbst, in voller Präsenz und Kraft, doch gleichzeitig vollzieht sich die Entleerung des Bildes hin zu einem grauen Nebelschleier (> ABE 5).    MG

Ausdrucksbewegungseinheiten (ABE)

01 02 03 04 05 

Materialen zur Szene

    Position der Szene im Film

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