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3.1 Montage, Kombinationen und Serien


In KATZELMACHER ist die Montage auf wenige stereotyp wiederholte Einstellungen beschränkt: eine Kamerafahrt, die Totale bzw. Halbtotale des Gruppenbilds, die Doppelporträts und Paarszenen in Halbnah- und Nahaufnahmen. Die Großaufnahme bleibt als Bildformat ausgespart. Die hermetische Kadrierung und der auf wenige Elemente reduzierte Dekor betonen den seriellen Charakter der

einzelnen Einstellung; die solchermaßen isolierten Bildräume präparieren in ihrer montierten Abfolge selbst wiederum eine Struktur der Motivwiederholung und Motivvariation heraus. Ihre zeitliche Anordnung ist reine Sukzession. Die Montage bildet also keine fortschreitende handlungslogische Verkettung des Geschehens, sondern eine Serie szenischer Fragmente, die einige wenige Motive variieren.


Maria_erichHelga_paulElisabeth_peterRosy_franz
Bildergalerie
Stills aus KATZELMACHER. Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969

Von links nach rechts: Marie/Erich, Helga/Paul, Elisabeth/Peter und Rosy/Franz 


Vier Paare von unterschiedlicher Beständigkeit: "Marie (Hanna Schygulla) gehört zu Erich (Hans Hirschmüller), Paul (Rudol Waldemar Brem) schläft mit Helga (Lilith Ungerer), Peter (Peter Moland) läßt sich von Elisabeth (Irm Hermann) aushalten, Rosy (Elga Sorbas) treibt es für Geld mit Franz (Harry Baer)" (Fassbinder). Dieses System eines labilen Gleichgewichts auch wechselnder und zusätzlicher Verhältnisse gerät in Unordnung, als ein Gastarbeiter, Jorgos, (Fassbinder) ein "Griech’ aus Griechenland" eintrifft und bei Elisabeth ein Zimmer mietet. "Instinktive" Abneigung gegen den Fremden

und Sexualneid gegenüber dem vermeintlich potenteren Südländer vereinen die ganze Gruppe, aus der nur Marie ausbricht. Sie "geht" mit Jorgos. Die vier Männer schlagen ihn eines Tages zusammen und hoffen: "Jetzt geht er bestimmt." Elisabeth aber will ihn als Mieter, den sie ausbeutet, halten. Helga und Paul wollen heiraten, zuerst, weil sie ein Kind erwartet, dann, obwohl sie einen Abgang hat. Erich geht zur Bundeswehr: "Ist besser als arbeiten." Die Zukunft von Jorgos und Marie bleibt offen.31 


Figurationen_der_gruppe
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Stills aus KATZELMACHER. Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969

Das Zentrum bilden die Figurationen der Gruppe, in wechselnden Konstellationen
am Geländer vor einer städtischen Hausfassade aufgereiht wie auf einer Vogelstange.



Paare1Paare2
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Stills aus KATZELMACHER. Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969

Den Gruppen stehen die Paarszenen gegenüber. Der reduzierte Dekor definiert die
einzelnen Szenen als Zeichen der elementarsten sozialen Verhältnisse. Diese sind in
den Küchen-, Couch- und Biertischfigurationen, Sitze-, Stühle- und Pritschenszenen
gleichsam Ding geworden. Das Beziehungsgeflecht zwischen den Figuren,
dergestalt auf den Zeichenwert des Mobiliars verknappt, ist zum Dekor geworden,
das sich dem Zuschauer als emblematisches Gefüge darstellt.  



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KATZELMACHER. Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969 
 (Ausschnitte, bearbeitet)

Schließlich sind noch die wie ein Refrain eingefügten Kamerafahrten zu erwähnen. Sie zeigen wechselnde Freundespaare, die in der Attitüde des Sonntagsspaziergangs die immer gleiche Garagenauffahrt heraufkommen. Diese stilisierten Spaziergänge sind die einzigen mit Musik unterlegten Szenen des Films.





Die Wiederholungen und seriellen Kombinationen verbinden sich zu semantischen Einheiten, die eher allegorischen Sinnbildern und Parabeln gleichen denn realistischen Erzählungen. Ein Beispiel für dieses Verfahren ist die

kombinatorische Verwebung der Dialoge, Gesten, Kostüme und Requisiten in der Variation der Metapher vom "geraden und schiefen Blick". 


Literaturangaben und Anmerkungen
31 Wilhelm Roth: Kommentierte Filmographie, S. 123f. [^]

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